
Für jeden Arztbesuch 10 Euro hinblättern? - 2012 Crisis! © roijaune
Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Montgomery, kritisiert nicht nur die private Krankenversicherung, sondern sieht auch große Probleme im Bereich der Praxisgebühr. Das er Recht behält, beweist ein kleines Rechenbeispiel. Bei vier Besuchen beim Hausarzt und dem jährlichen Besuch beim Zahnarzt werden jährlich schon einmal 50€ fällig und dabei ist noch keine einzige Rate bezahlt.
Denn die Praxisgebühr ist völlig undemokratisch – zumindest aus der Sicht vieler Spitzenpolitiker, die für Wahlkampf einige gewichtige Themen benötigen. Ganz unrecht haben sie damit nicht: Die Praxisgebühr wurde damals eingeführt, damit die gesetzlichen Krankenversicherungen entlastet werden, die sich in einer prekären Lage befanden. Der Effekt war bewältigend, denn Erkrankte sind bei “angeblichen Bagatellfällen” nicht mehr zum Arzt gegangen, um sich die Praxisgebühr zu sparen und die Selbstüberweisung an teure Fachärzte nahm ab.
Nicht im Sinne der Versicherten
Dies kann allerdings nicht im Interesse der Versicherten sein und so sollte sich Politik und das Gesundheitswesen daran machen, diese Gebühren abzuschaffen. Oft wird nämlich die PKV im gleichen Atemzug für teure Tarife und steigende Beiträge kritisiert. Oft wird hierbei aber vergessen, dass auch die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen ständig steigen und die Beiträge nach der Höhe des Lohns berechnet werden.
Gerade in jungen Jahren lohnt sich eine private Krankenversicherung, da die Beiträge nach Risiko einer Erkrankung berechnet werden. Außerdem lassen sich zusätzlich – verbunden mit Mehrkosten – auch Absicherungen für hohe Beiträge im Alter abschließen. Anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung führt hier auch der Arbeitgeber (in der Selbstständigkeit sowieso nicht möglich) nicht 50% der Beiträge vom Bruttolohn ab – Ausgaben, die viele gesetzlich versicherten Menschen nicht sehen.
Wer sich oben genannten Problemen entziehen möchte und vor allem in jungen Jahren einen großen Bogen um die Praxisgebühr machen möchte, sollte einen Blick auf die private Krankenversicherung werfen. Allerdings sollte man sich dabei im Klaren sein, dass es nicht allzu einfach sein wird, aus der privaten wieder in die gesetzlichen Kassen zu wechseln. Allerdings könnte diese Entscheidungsfrage in Zukunft sowieso obsolet sein, wenn Politiker die heiß diskutierte Bürgerversicherung wirklich einführen.

